8BitPapa

Fünf Dinge, die man nur während der Schwangerschaft sagen darf

In drei Tagen ist der errech­ne­te Geburts­ter­min und ich habe Angst, dass die Bald­mut­ter bald explo­diert — der Baby­bauch ist inzwi­schen so groß wie ein Medi­zin­ball.

Moment, darf man so etwas über­haupt sagen?

Aber sicher. Medi­zin­bäl­le sind sel­ten chau­vi­nis­tisch ver­an­lagt, haben kei­ne abge­fah­re­ne Mei­nung zu Erzie­hungs­sti­len und kön­nen auch nichts für die ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len. Schwer wiegt aber auch, dass das Schwan­ger­sein vie­le Din­ge, nicht nur Medi­zin­bäl­le, in ein ganz neu­es Licht rückt, Aspek­te umkehrt und emo­ti­ons­ge­la­de­ne Aus­sa­gen umkehrt. Bei mei­nen Expe­ri­men­ten, inwie­weit die Inter­pre­ta­tio­nen modi­fi­ziert wur­den, führ­te ich zuerst Nega­tiv­tests durch. Und, tat­säch­lich, mit die­sen Kom­men­ta­ren fiel ich in nur müh­sam reha­bi­li­tier­ba­re Ungna­de:

»Kannst du dich mit weni­ger Schwung ins Bett legen? Die Lat­ten knar­zen schon.«

und

»Alles alle. Mehr habe ich nicht gekocht.«

Ganz klar, mit die­sen Aus­sa­gen wählt man den Frei­tod, sie sind bezie­hungs­tech­ni­sche Selbst­mor­de, soll­ten bes­ten­falls noch nicht ein­mal gedacht wer­den.

Ich wei­te­te den Test aus. Dabei stieß ich mit den fol­gen­den Phra­sen auf einen ande­ren, manch­mal sogar posi­ti­ven Effekt. Dies sind die, wie ich fin­de, fünf bemer­kens­wer­tes­ten:

»Mein Gott bist du dick.«

Aufs Adjek­tiv kommt’s an. »Fett« wäre das Fett­näpf­chen, denn was den Schwan­ger­schwer­punkt maß­geb­lich ver­rückt ist ganz und gar nicht (nur) Fett, son­dern Haut und Kno­chen, Frucht­was­ser und das gan­ze übri­ge Gewe­be der Gebär­mut­ter. Die Zur­kennt­nis­nah­me des Bauchs, unter Insi­dern auch »die Kugel«, zeugt von Respekt fürs neue Leben und Mit­ge­fühl um all die Beschwer­den, die das ver­grö­ßer­te und ver­la­ger­te Gewicht mit sich brin­gen.

»Du siehst aus wie ein Azte­ken-Frucht­bar­keitsi­dol.«

Jeder Film­fan und Gamer kennt die hand­ge­schnitz­ten run­den Figu­ren, die die India­na Jones die­ser Welt in den Grab­kam­mern aus­ge­stor­be­ner Urwald­stäm­me auf­stö­bern. Wil­der Stäm­me, die das Schwan­ger- und Mut­ter­sein als höchs­tes Gut anse­hen und die run­den Models die­ser Schnit­ze­rei­en wie Göt­tin­nen anbe­ten. So ist die­ser Ver­gleich eine Vari­an­te der Wahr­neh­mung und des Respekts gegen­über des Schwan­gerseins mit Bonus: einem krea­ti­ven und his­to­ri­schen Aspekt. 100 Punk­te.

»Du schnarchst wie ein schwan­ge­res Säge­werk.«

Man­chen Frau­en ist es frei­lich pein­lich, dass sie schnar­chen. Denn was man da zu hören bekommt, klingt nicht immer wie ein Meer­schwein­chen, son­dern auch mal wie Darth Vaders defek­tes Atem­ge­rät. (Das wür­de ich natür­lich nie­mals laut sagen.) Der Trick ist wie­der das Adjek­tiv. Bei »schwan­ger« schwingt mit, dass das nor­ma­le Schnar­chen gar nicht so schlimm ist und in die­sem Fall, statt­des­sen, ein Aus­nah­me­zu­stand mit freu­di­gem Hin­ter­grund vor­liegt.

»Du kannst ja für zwei essen.«
(Vor­sicht: Wegen des Ver­zichts auf halb­ro­he und rohe Kost, wie Steaks und Sushi, kön­nen Nah­rungs­mit­tel­the­men bei man­chen Schwan­ge­ren Miss­mut her­vor­ru­fen.)

Wür­den Schwan­ge­re ger­ne. Denn ist das ers­te Tri­mes­ter erst mal über­stan­den, schme­cken die meis­ten Din­ge wie­der pri­ma, man­che sogar bes­ser. Aller­dings wird der Magen durch das Unge­bo­re­ne der­art weg­ge­drängt, dass vol­le Por­tio­nen kei­nen Platz mehr dar­in fin­den. Für zwei zu essen ist also nicht nur anek­do­ti­scher Unsinn, son­dern auch unrea­lis­tisch. Infol­ge wer­den etwai­ge Kom­men­ta­re gemein­sam weg­ge­lacht, bevor sich die Schwan­ge­re gedan­ken­los aus der Keks­do­se bedient.

»Ich tra­ge das lie­ber für Dich.«

Der Mann von heu­te trifft auf­grund kul­tu­rel­ler und gesell­schafts­po­li­ti­scher Aspek­te gefähr­li­che Ent­schei­dun­gen zwi­schen absicht­li­cher Galan­te­rie und ver­se­hent­li­chem Chau­vi­nis­mus. Auf­grund der bio­lo­gisch ange­bo­re­nen Mus­kel­mas­se bie­ten sich Män­ner zwar zum Tra­gen von Din­gen an. Es besteht aber stets ein Rest­ri­si­ko, dass man der Frau Auto­no­mi­tät abspricht, oder, noch schlim­mer, durch eine unge­schick­te For­mu­lie­rung eine Unfä­hig­keit zum Tra­gen aus­spricht. Im Schwan­ger­sta­tus ist das The­ma unge­bun­de­ner, ober­fläch­li­cher, ein­fa­cher zu bedie­nen, und Frau­en las­sen sich ger­ne hel­fen.
Das Glei­che gilt übri­gens für »Möch­ten Sie sich viel­leicht hin­set­zen.«

Auch eine Schwan­ge­re  im neun­ten Monat daheim? Dann am bes­ten gleich mal die­se und neue Phra­sen aus­pro­bie­ren und in den Kom­men­ta­ren über die Erfah­run­gen berich­ten.

Haf­tungs­aus­schluss: Bekommt der eine oder ande­re Schwan­ge­ren­part­ner wegen einem die­ser Sprü­che Schwie­rig­kei­ten, hat es die­sen Blog­ein­trag nie gege­ben.


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Bilder aus der Insta-Papa-Kolumne

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