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Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit

Noch zwei Mona­te, bis unser Eltern­raum­schiff in die post­na­ta­le Zone ein­tritt. Da wird es Zeit, die Gedan­ken um die Eltern­zeit zu kon­kre­ti­sie­ren und dar­aus einen Plan zu schmie­den. Mit den zwei zusätz­li­chen Part­ner­schafts­mo­na­ten und dem neu­en »Eltern­geld Plus«-Modell wer­de ja Väter ange­spro­chen, aus dem klas­si­schen Rol­len­kon­strukt aus­zu­bre­chen und sich mal län­ger um das Kind zu küm­mern. Mit wehen­den Fah­nen in Rich­tung einer moder­nen Gesell­schaft? Jeden­falls nicht aus den Erfah­run­gen unse­rer Heb­am­me. Die kennt kaum Väter, die Eltern­zeit neh­men und emp­fiehlt, wenigs­tens die ers­ten bei­den Wochen nach der Geburt Frau und Kind zu umsor­gen. Lächer­lich. Da ich selbst­stän­dig und Meis­ter des Zeit-Manage­ments bin (»pro­cras­ti­na­te later«), im Home­of­fice arbei­te (bald bekannt als »Kin­der­zim­mer«) und sowie­so ger­ne koche (!), ist die Vater­zeit wie für mich gemacht. Rüdi­ger von mannpluskindgleichvater.de hat’s vor­ge­macht, nun fas­se ich mir selbst auch an der Nase und erör­te­re »Fünf gute Grün­de für Papa-Eltern­zeit«.

1. Der Papa, das bekannte Wesen

Vor 40 Jah­ren träum­te man noch von der Eman­zi­pa­ti­on. Damit mei­ne ich nicht nur die beruf­li­che und gesell­schaft­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en, son­dern auch, umge­kehrt, die Inte­gra­ti­on der Väter ins Fami­li­en­le­ben. Damals ging das »Fami­li­en­ober­haupt« eben malo­chen, kam spät­abends heim und brauch­te dann erst­mal eine Pau­se vom Arbeits­stress. Damals gaben Müt­ter ihre Aus­bil­dung und den Beruf auf, um sich ganz der Erzie­hung zu wid­men. Damals war das für uns Kin­der und die gan­ze Welt ganz nor­mal.
Heu­te haben wir end­lich die Gele­gen­heit, das anders zu machen. Mei­ne bes­se­re Hälf­te ist fan­tas­tisch in ihrem Job, unent­behr­lich und er füllt ihr Leben mit inter­es­san­ten The­men und sozia­len Details. Und ich bekom­me Schmet­ter­lin­ge im Bauch, wenn ich mir vor­stel­le, wie es ist, mei­nen Sohn das ers­te Mal zu sehen oder sogar in den Hän­den zu hal­ten. Und gera­de das ers­te Jahr, in dem es auf Schutz, Sor­ge und Ver­trau­en, Stim­men, Haut­kon­takt und Gerü­che (viel­leicht nicht alle) geht, will ich mir auf kei­nen Fall ent­ge­hen las­sen. Ziel ist, dass ich unse­ren Klei­nen, genau wie die Mut­ter das instink­tiv beherrscht, beru­hi­gen und zum Schla­fen brin­gen kann. Füt­tern auch, aber mit weni­ger Brust.

2. Besser werden

Was ist denn das für ein Leben – auf der Couch sit­zen, Bier trin­ken und sich eine Mara­thon-Ses­si­on »Gotham« rein­zie­hen? Ach­tet man auf die Qua­li­tät des Medi­en­ma­te­ri­als sicher ein unter­halt­sa­mes. Aber ein pas­si­ves, schril­les, kon­su­mie­ren­des. Durch Job und Blog leis­te ich zwar ein klei­nen krea­tiv­pro­duk­ti­ven Teil; kann das aber wirk­lich gegen die Unter­stüt­zung eines neu­en fri­schen Lebens, gegen das Groß­zie­hen eines klei­nen Kin­des anstin­ken? Nein. (Das kann nur das Kind selbst.) Und so ent­wick­le ich mich von Couch­pota­to und Gele­gen­heits-5K-Läu­fer zum Baby-Nor­dic-Wal­ker und Mit­ter­nachts­win­del­wechs­ler. Alles für die Zukunft des Pla­ne­ten, das Glück mei­nes Kin­des, ein biss­chen Selbst-auf-die-Schul­ter-klop­fen und die Ren­te.

3. Ich kann sowieso nicht mehr schlafen.

Gehe ich um 11 ins Bett, wache ich regel­mä­ßig um 4 auf. Lei­de ich schon unter Alters­schlaf­lo­sig­keit? (Gut, im Som­mer liegt’s am Geschrei der Mini­di­no­sau­ri­er drau­ßen auf den Bäu­men.) Dafür leis­te ich mir, ein Luxus der Selbst­stän­dig­keit, gegen 13 Uhr eine hal­be Stun­de Mit­tags­dö­sen. Das sind doch idea­le Vor­aus­set­zun­gen für den Vater eines Neu­ge­bo­re­nen, über des­sen ver­que­re Schlaf- und Wach­zy­klen Papa­blog­ger welt­weit rauf- und run­ter­jam­mern.

4. Babyromantik und Zeit für diesen Blog

So male ich mir das jeden­falls aus: Nach­dem ich den klei­nen Storm­po­oper ins Bett gebracht habe, sin­nie­re ich über das eben Erleb­te, rege mich künst­lich über die neu­es­ten bescheu­er­ten Rat­schlä­ge aus dem Inter­net und von Ver-/Be­kann­ten auf, und notie­re alles, damit Ihr da drau­ßen dar­über schmun­zeln könnt. So wie ein Hip­ster­blog­ger mit Mac­book und Pump­kin Spi­ce Lat­te bei Star­bucks. Nur mit Chrome­book, einem Bier­chen und daheim auf der Couch.

5. Gesellschaftlicher Wandel

Mit der Vater-Eltern­zeit pas­siert etwas sehr Gesun­des in und für unse­re Gesell­schaft. Die klas­si­schen, an tra­di­tio­nel­len und kon­ser­va­ti­ven Gedan­ken aus­ge­rich­te­ten Rol­len haben aus­ge­dient. Es wird Zeit, dass das Frau­en­eman­zi­pa­ti­ons­the­ma end­lich durch ist, eng­stir­ni­ge (und bit­te auch radi­ka­le) Genera­tio­nen aus­ge­stor­ben sind und wir uns alle gleich­be­rech­tigt und glück­lich neu­en Hori­zon­ten wid­men kön­nen. Den Tri­cor­der hal­ten wir schon seit eini­gen Jah­ren in den Hän­den – es wird Zeit, auch die ande­ren The­men von Gene Rod­den­ber­ry umzu­set­zen. Na, wenigs­tens haben wir schon eine Frau an der Spit­ze. Als Vater in der Eltern­zeit leis­te ich klei­nen Bei­trag dazu, und sei es damit jemand, der die­sen Text liest, inspi­riert wird.

Pri­ma, den roten Stift und die Taschen­rech­ner-App gezückt und ab zum Wand­ka­len­der – jetzt wird die Eltern­zeit geplant. (So ein Quatsch. In Wahr­heit sit­zen wir mit den Lap­tops im Bett und flu­chen über die Bedie­nung des Online-Eltern­geld­rech­ners.)

Anmer­kung: Sehr lesens­wert zum The­ma fin­de ich auch die­se Tira­de von Das Nuf: Betriebs­wirt­schaft­lich maxi­mier­te Eltern­schaft.


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Bilder aus der Insta-Papa-Kolumne

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