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8BitPapa

Ein Wandbild fürs Kinderzimmer – ganz einfach

Babyblaue Kinderzimmerwände kann jeder. Aber mit ein paar Akrylfarben, feineren Pinseln und ein bisschen Technik lässt sich ein schönes Bild an die Wand zaubern.

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Ein Wandbild im Kinderzimmer? Was für eine exzellente Idee! Aber malen ohne Talent? Und welches Motiv?

Die Motivwahl fällt bei mir auf die Abenteuer des Comicduos Calvin & Hobbes (1985 bis 1995): ein sechsjährige Rabauke und sein Stofftiger-Sidekick, der lebendig wird, sprechen kann und Thunfisch-Sandwiches verputzt, wenn die beiden unter sich sind. Schon als 8-Bit-Teenager verschlang ich die Comics und muss auch heute beim Herumblättern schmunzeln. Der zynische, kontrastreiche und philosophische Humor ist auf meiner Wellenlänge und erhielt während meines Erwachsenwerdens das Kind in mir am Leben. Denn Calvin hat seine eigene, überraschend reife, pragmatische und dennoch fantasievolle Sicht auf die Welt. Er erlebt sie zwischen Take-it-easy-Mentalität und erfrischender Abenteuerlust – eine Stimmung, die ich meinem Sohn gerne mit auf den Weg gebe.

Daher die Idee zum Kinderzimmerwandbild. Ist doch eigentlich ganz einfach: 1. Konturen an die Wand beamen und nachzeichnen. 2. Farbflächen füllen. 3. Konturen mit dicker schwarzer Farbe nachfahren.

Ein paar Do-it-yourself-Notizen aus der Praxis:

  1. Equipment: überraschend günstig, knapp 30 Euro für alles – Acrylfarben (ich verwendete dieses Marabu Akrylfarbenset), Extra-Weiß zum Mischen hellerer Farben, Pinselset (dieses hier hat sich bewährt), kleine Palette (wirklich nur ein billiges Plastikteil) und ein Beamer (die sind natürlich teuer, also irgendwo ausleihen – mein Schwager benutzt z. B. dieses Modell für spontane Präsentation, die Lichtstärke des Winzlings war für für die Wandbildprojektion ausreichend wenn ich die Vorhänge zuzog). Ach ja, und ein Kohle- oder Grafitstift für die Konturen.
  2. Vorlage im Internet finden. Über Googles Bildersuche lässt sich wirklich jedes Motiv finden. Ich entschied mich für eine Bachüberquerung der beiden Helden. Im Wald spielen – das soll unser Kleiner bitte so auch erleben.

  1. Vorlage bearbeiten. Die Entfernung zwischen Beamer und Wand genügte nicht, um die gesamte Wand zu füllen. Ich schnitt das Bild deshalb in zwei Teile – in diesem Fall um 90° hochkant gedreht, weil es breiter als hoch war. Darum ist der Beamer auch so schwindlig mit Kabelbindern auf einem Kamerastativ arretiert.

  1. Vorlage an die Wand werfen und Konturen nachzeichnen. Das hat zwischen einer und zwei Stunden gedauert. Mein Fehler war, dass ich die Kohle zu stark auftrug und wieder vorsichtig wegpinseln und -pusten musste, sonst hätte sie die später aufgetragene Farbe verunreinigt. Ich würde daher in Zukunft mit einem weniger staubigen Grafitstift arbeiten. (Im Bild ist die Vorlage horizontal geflippt, da das besser zum Zimmerlayout passte.)

  1. Flächen füllen. Das ist der langwierigste Job, eine Art Malen-Nach-Zahlen mit einer ausgedruckten Vorlage, der sich über vier Wochen in ein paar Wochenend- und Abendsessions hinzog. Machte sehr viel Spaß, denn man sieht sofort Erfolge. Ich entschied mich pro Session für einen Farbton und begann mit dem dunkelsten am stärksten gesättigten Farbton (z. B. Dunkelblau für schattigen Stellen im Bach – Cyanblau im Akrylset) und hellte die Farbe schrittweise mit Weiß auf (bis z. B. Hellblau für stark reflektierendes Wasser). Zum Flächenfüllen verwendete ich einen möglichst breiten Pinsel und malte in die vorgezeichneten Konturen hinein, ließ aber dünne Linien unbemalt, damit ich die exakten Kohle-/Grafitkonturen später wiederfinden konnte.

  1. Konturen malen. Mit Titaniumschwarz. Das war der schwierigste Schritt, der Mut erforderte. Denn das Original ist ein Aquarell, die Konturen sind nicht perfekt, beginnen hier mal dick, laufen dort in einem dünnen Strich aus und da drüben sammelt sich sogar etwas Farbe in einer Ecke. Das Ganze sollte organisch wirken, Fehler waren ok, aber die Strichführung musste sicher sein mit sauberen Kanten. Zitterlinien (zu langsam gemalt) sahen irgendwie seltsam aus. Am liebsten benutzte ich einen mittelbreiten flachen Pinsel, nahm sehr viel Farbe auf, begann mit der breiten Seite und drehte den Pinsel während des Malens um 90° zu seiner schmalen Seite. Zitterkonturen wurden übermalt und mit viel Farbe zu scharfen Kanten korrigiert. Anfangs waren meine Konturen zu dünn, aber so näherte ich mich schrittweise der idealen Strichstärke (einen Schritt zurücktreten und das gesamte Bild wahrnehmen).

Tolle Sache. Insgesamt fühlte ich mich an Bob Ross mit seinen »happy little accidents« erinnert, denn ich erfuhr, dass es gerade die Imperfektion einer nicht ganz ausgefüllten Fläche oder nicht vollständig umrundeter Kontur ist, die den Reiz ausmacht. Ich verließ mich vor allem auf die Wirkung der Konturen, denn die definieren die Feinheiten, die Gesten, die Gesichter und den charakteristischen Strich des Originalkünstlers.

Nun frage ich mich, ob und wann unser Kleiner das Wandbild überhaupt bewusst wahrnehmen wird. Es ist von Beginn an fixer Bestandteil seiner Welt, sobald er sehen kann, völlig normal, ein omnipräsenter Hintergrund.

Wird er Tigeralbträume haben?

Und wie lange hält eigentlich die Farbe?

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Und wann er wohl das Easteregg findet?

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