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Ein Wandbild fürs Kinderzimmer – ganz einfach

Ein Wandbild fürs Kinderzimmer – ganz einfach

Baby­blaue Kin­der­zim­mer­wän­de kann jeder. Aber mit ein paar Akryl­far­ben, fei­ne­ren Pin­seln und ein biss­chen Tech­nik lässt sich ein schö­nes Bild an die Wand zau­bern. Die­ser Papa-Blog-Bei­trag, zeigt, wie. Aus­nahms­wei­se ohne Sati­re.

Ein Wand­bild im Kin­der­zim­mer? Was für eine exzel­len­te Idee! Aber malen ohne Talent? Und wel­ches Motiv?

Die Motiv­wahl fällt bei mir auf die Aben­teu­er des Comic­du­os Cal­vin & Hob­bes (1985 bis 1995): ein sechs­jäh­ri­ge Rabau­ke und sein Stoff­ti­ger-Side­kick, der leben­dig wird, spre­chen kann und Thun­fisch-Sand­wi­ches ver­putzt, wenn die bei­den unter sich sind. Schon als 8-Bit-Teen­ager ver­schlang ich die Comics und muss auch heu­te beim Her­um­blät­tern schmun­zeln. Der zyni­sche, kon­trast­rei­che und phi­lo­so­phi­sche Humor ist auf mei­ner Wel­len­län­ge und erhielt wäh­rend mei­nes Erwach­sen­wer­dens das Kind in mir am Leben. Denn Cal­vin hat sei­ne eige­ne, über­ra­schend rei­fe, prag­ma­ti­sche und den­noch fan­ta­sie­vol­le Sicht auf die Welt. Er erlebt sie zwi­schen Take-it-easy-Men­ta­li­tät und erfri­schen­der Aben­teu­er­lust – eine Stim­mung, die ich mei­nem Sohn ger­ne mit auf den Weg gebe. (Hier ist der Link zum ers­ten Sam­mel­band, mit einem ähn­li­chen Buch hat­te ich Cal­vin und Hob­bes vor viel­leicht 25 Jah­ren ken­nen­ge­lernt. Ich kann alle unein­ge­schränkt emp­feh­len.)

Daher die Idee zum Kin­der­zim­mer­wand­bild (, das – Update Novem­ber 2018 – nun schon über ein Jahr ohne Schä­den über­stan­den hat). Ist doch eigent­lich ganz ein­fach:

  1. Kon­tu­ren an die Wand bea­men und nach­zeich­nen.
  2. Farb­flä­chen fül­len.
  3. Kon­tu­ren mit dicker schwar­zer Far­be nach­fah­ren.

Ein paar Do-it-yours­elf-Noti­zen aus der Pra­xis:

  1. Equip­ment: über­ra­schend güns­tig, knapp 30 Euro für alles – Acryl­far­ben (ich ver­wen­de­te die­ses Mara­bu Akryl­far­ben­set), Extra-Weiß zum Mischen hel­le­rer Far­ben, Pin­sel­set (die­ses hier hat sich bewährt), klei­ne Palet­te (wirk­lich nur ein bil­li­ges Plas­tik­teil) und ein Bea­mer (die sind natür­lich teu­er, also irgend­wo aus­lei­hen – mein Schwa­ger benutzt z. B. die­ses Modell für spon­ta­ne Prä­sen­ta­ti­on, die Licht­stär­ke des Winz­lings war für für die Wand­bild­pro­jek­ti­on aus­rei­chend wenn ich die Vor­hän­ge zuzog). Ach ja, und ein Koh­le- oder Gra­fit­stift für die Kon­tu­ren.
  2. Vor­la­ge im Inter­net fin­den. Über Goo­g­les Bil­der­su­che lässt sich wirk­lich jedes Motiv fin­den. Ich ent­schied mich für eine Bach­über­que­rung der bei­den Hel­den. Im Wald spie­len – das soll unser Klei­ner bit­te so auch erle­ben.

  1. Vor­la­ge bear­bei­ten. Die Ent­fer­nung zwi­schen Bea­mer und Wand genüg­te nicht, um die gesam­te Wand zu fül­len. Ich schnitt das Bild des­halb in zwei Tei­le – in die­sem Fall um 90° hoch­kant gedreht, weil es brei­ter als hoch war. Dar­um ist der Bea­mer auch so schwind­lig mit Kabel­bin­dern auf einem Kame­ra­sta­tiv arre­tiert.

  1. Vor­la­ge an die Wand wer­fen und Kon­tu­ren nach­zeich­nen. Das hat zwi­schen einer und zwei Stun­den gedau­ert. Mein Feh­ler war, dass ich die Koh­le zu stark auf­trug und wie­der vor­sich­tig weg­pin­seln und -pus­ten muss­te, sonst hät­te sie die spä­ter auf­ge­tra­ge­ne Far­be ver­un­rei­nigt. Ich wür­de daher in Zukunft mit einem weni­ger stau­bi­gen Gra­fit­stift arbei­ten. (Im Bild ist die Vor­la­ge hori­zon­tal geflippt, da das bes­ser zum Zim­mer­lay­out pass­te.)

  1. Flä­chen fül­len. Das ist der lang­wie­rigs­te Job, eine Art Malen-Nach-Zah­len mit einer aus­ge­druck­ten Vor­la­ge, der sich über vier Wochen in ein paar Wochen­end- und Abend­ses­si­ons hin­zog. Mach­te sehr viel Spaß, denn man sieht sofort Erfol­ge. Ich ent­schied mich pro Ses­si­on für einen Farb­ton und begann mit dem dun­kels­ten am stärks­ten gesät­tig­ten Farb­ton (z. B. Dun­kel­blau für schat­ti­gen Stel­len im Bach – Cyan­blau im Akryl­set) und hell­te die Far­be schritt­wei­se mit Weiß auf (bis z. B. Hell­blau für stark reflek­tie­ren­des Was­ser). Zum Flä­chen­fül­len ver­wen­de­te ich einen mög­lichst brei­ten Pin­sel und mal­te in die vor­ge­zeich­ne­ten Kon­tu­ren hin­ein, ließ aber dün­ne Lini­en unbe­malt, damit ich die exak­ten Koh­le-/Gra­fit­kon­tu­ren spä­ter wie­der­fin­den konn­te.

  1. Kon­tu­ren malen. Mit Tita­ni­um­schwarz. Das war der schwie­rigs­te Schritt, der Mut erfor­der­te. Denn das Ori­gi­nal ist ein Aqua­rell, die Kon­tu­ren sind nicht per­fekt, begin­nen hier mal dick, lau­fen dort in einem dün­nen Strich aus und da drü­ben sam­melt sich sogar etwas Far­be in einer Ecke. Das Gan­ze soll­te orga­nisch wir­ken, Feh­ler waren ok, aber die Strich­füh­rung muss­te sicher sein mit sau­be­ren Kan­ten. Zit­ter­li­ni­en (zu lang­sam gemalt) sahen irgend­wie selt­sam aus. Am liebs­ten benutz­te ich einen mit­tel­brei­ten fla­chen Pin­sel, nahm sehr viel Far­be auf, begann mit der brei­ten Sei­te und dreh­te den Pin­sel wäh­rend des Malens um 90° zu sei­ner schma­len Sei­te. Zit­ter­kon­tu­ren wur­den über­malt und mit viel Far­be zu schar­fen Kan­ten kor­ri­giert. Anfangs waren mei­ne Kon­tu­ren zu dünn, aber so näher­te ich mich schritt­wei­se der idea­len Strich­stär­ke (einen Schritt zurück­tre­ten und das gesam­te Bild wahr­neh­men).

Tol­le Sache. Ins­ge­samt fühl­te ich mich an Bob Ross mit sei­nen »hap­py litt­le acci­dents« erin­nert, denn ich erfuhr, dass es gera­de die Imper­fek­ti­on einer nicht ganz aus­ge­füll­ten Flä­che oder nicht voll­stän­dig umrun­de­ter Kon­tur ist, die den Reiz aus­macht. Ich ver­ließ mich vor allem auf die Wir­kung der Kon­tu­ren, denn die defi­nie­ren die Fein­hei­ten, die Ges­ten, die Gesich­ter und den cha­rak­te­ris­ti­schen Strich des Ori­gi­nal­künst­lers.

Nun fra­ge ich mich, ob und wann unser Klei­ner das Wand­bild über­haupt bewusst wahr­neh­men wird. Es ist von Beginn an fixer Bestand­teil sei­ner Welt, sobald er sehen kann, völ­lig nor­mal, ein omni­prä­sen­ter Hin­ter­grund.

Wird er Tiger­albträu­me haben?

Und wie lan­ge hält eigent­lich die Far­be?

Und wann er wohl das Eas­ter­egg fin­det?

Update Novem­ber 2018: Ein­ein­halb Jah­re spä­ter leuch­tet das Wand­bild noch in genau den­sel­ben kräf­ti­gen Far­ben, wie im Som­mer 2017 – ein vol­ler Erfolg also. Und, ach, ist das nicht nied­lich: Inzwi­schen ver­sucht der klei­ne Aus­räuma­tor, die gemal­ten Stei­ne weg­zu­neh­men. Remin­der an den Papa-Blog­ger: Für eine solch her­vor­ra­gen­de Arbei­te soll­te ein ent­spre­chen­des Stern­chen im Vater­pass bean­tra­gen.

Euer 8BitPapa

P. S. Natür­lich lässt sich auch mit einem kom­mer­zi­ell erhält­li­chen Wand­kle­be­bild mogeln. Müss­te aber hoch ange­bracht wer­den, unser Klei­ner wür­de das sonst run­ter­rup­fen :). Für mich war aber auf alle Fäl­le der Weg das Ziel, das Sel­ber­ma­chen.


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